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Heute bei „der SAP-Berater“ geht es um folgendes Vorurteil: „SAP-Berater schaffen es, Lösungsansätze so umständlich zu erklären, dass am Ende kein Zuhörer mehr weiß, von was gesprochen wird.“.

Dieses Phänomen tritt leider nicht nur bei SAP-Beratern auf. Da wir nur begrenzten Platz in diesem Blogbeitrag haben, beschränken wir uns auf zwei Typen: den Denglisch-Speaker und den routinierten Folienableser.

Das der Globalisierung geschuldete Denglisch sprechen manche SAP-Berater in Perfektion. Ein Kollege fand folgenden Satz sehr amüsant: „Ausgehend vom „Big Picture“ ist unser „Commitment“ zur „Erwartungshaltung“ bezüglich der „Deadline“ dergestalt, dass wir der „Roadmap“ folgend noch die „Extra Mile“ gehen werden, um „Low hanging fruits“ zu ernten.“.

Sie merken schnell, hier wird die verworrene Sprache genutzt, um ohne Argumente zu argumentieren. Was für flüchtig Zuhörende schlau klingt, wirkt auf die anderen eher lächerlich. Klar haben sich Begriffe wie triggern, stressen und customizen bereits etabliert. Übertreiben sollte man es jedoch nicht.

Die Wortakrobatik soll zwar jung und weltbewandert wirken, die tatsächliche Wirkung ist allerdings eher mit Jugendsprache zu vergleichen. Da fragen wir uns, wie wird die nächste Generation Projekte steuern. In meinem inneren Auge sehe ich jetzt schon einen jungen Mann in Kapuzenpullover den Workshop mit dem Satz „Mashalla, das together war übelst nice!“ abschließen. Da bleibe ich lieber bei dem abgedroschenen: „Danke für Ihre Aufmerksamkeit“.

Ein wenig müssen wir an dieser Stelle die Denglisch-Speaker in Schutz nehmen, immer mehr Projekte werden von Beginn an auf Englisch durchgeführt und die besten Informationen zu neuen SAP-Technologien erhält man aus englischsprachigen Blogs. Da kommt es nun mal vor, dass man im Flow den englischen statt des deutschen Fachbegriffs verwendet.

Zuletzt kommen wir zum routinierten Folienableser. Wir kennen die Situation alle, da sitzt man in einem Workshop und hat eher das Gefühl, einen langen Monolog zuzuhören, statt am eigentlichen Projekt weiterzuarbeiten. Im besten Fall kommt in regelmäßigen Abständen die Frage, ob jeder den Themenblock verstanden hat, damit der Redner anschließend mit seiner monotonen Stimme fortfährt. Das sind auch die Momente, in denen die Workshop-Verantwortlichen durchrechnen, was es Sie gerade kostet, zehn Top-Angestellte in dieser Zeit von deren eigentlichen Tätigkeiten abzuziehen.

Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass ein Mensch die mentale Kraft hat, bei einem derart langweiligen Vortrag gedanklich beim Thema zu bleiben. Da wird zum Smartphone gegriffen, in Gedanken die private Einkaufslisten durchgegangen oder die Maserung der Tapete bewundert.

Wenn Sie an einen derartigen SAP-Berater geraten sind, dann dürfen Sie selbstverständlich auch den Workshop abbrechen. Ich habe hierfür eine kleine Checkliste, die ich gedanklich durchgehe. 1. Liest der Redner textüberladene Folien einfach 1:1 ab? 2. Besteht wenig oder keine Interaktion mit den Workshop-Teilnehmern? 3. Hält dieser Zustand länger als ein Themenblock an? 3 x Ja? Dann wird es Zeit einzugreifen.

Aber wie kommt es, dass es diese Art von Beratern noch gibt und auf Kunden losgelassen werden? Auch hier sind die Gründe vielfältig. Nicht jeder Mensch ist der geborene Moderator, hat das Meeting jedoch das Ziel, gemeinsam etwas zu erarbeiten, könnte sich diese Schwäche negativ auf Ihr Projekt auswirken. Auch das Unternehmen hinter dem Berater kann Grund für die schlechte Performance sein. Fehlt professionelles Equipment oder werden dem Berater Horror-Präsentationen von der Marketingabteilung aufgezwungen, wird es zu einer wahren Herausforderung für ihn, den Workshop zielführend durchzuziehen.

Letztendlich geht es bei der Beratung um Ihr Projekt. Sie haben in der Hand, ob Sie eingreifen oder offensichtliche Projekthürden dulden.